Klassizismus pur
Heiden – Klassizismus pur
«Haiden» als Name erscheint erstmals in einem Zinsbuch von 1461 des städtischen Spitals St.Gallen, das hier Grundbesitz hatte. Früher genannt sind Gebiete am Dorfrand wie Bischofsberg, Altenstein und Brunnen sowie Bissau, und zwar in einem Verzeichnis der Einkünfte der Herrschaft Österreich zu Rheineck 1404. Heiden war vor dem Brand eine bäuerlich-kleingewerbliche Siedlung wie andere Ausserrhoder Dörfer.
Neben der Landwirtschaft wurde gewoben und gestickt. Die Katastrophe vom 7. September 1838 veränderte das Gesicht des Vorderländer Zentrums vollständig. In unglaublich kurzer Zeit wurde das Dorf neu geplant und neu aufgebaut. Als Grundlage diente ein Überbauungsplan im Sinne eines Rastersystems mit rechtwinklig sich schneidenden Strassenzügen. Voraussetzung dazu waren ein neues Baureglement und Bodenabtretungen beziehungsweise – übernahmen. An die Stelle der bislang üblichen Holzkonstruktion traten eine feuersichere Bauweise mit Stein oder Riegelkonstruktionen mit feuerfestem Füllmaterial. Bereits zwei Jahre später waren 58 Häuser erstellt und 41 davon bewohnbar.
Historiker Johannes Huber würdigt Heidens Klassizismus wie folgt: «Allein der flächenmässige Umfang der Neuplanung, weniger ihr qualitativ hoch einzuschätzen des Prinzip, lässt Heiden zurückstehen hinter den bedeutendsten städtebaulichen Neuschöpfungen des 19. Jahrhunderts in der Schweiz: La Chaux-de-Fonds (Brand von 1794, Neuplanung durch Charles-Henri Junod) und Glarus (Brand von 1861, Neuplanung durch Bernhard Simon und Johann Caspar Wolff). Grundsätzlich ändert der quantitative Unterschied aber nichts an der Sache, denn in dieser werden La Chaux-de-Fonds, Heiden und Glarus in einer Reihe genannt.
Heidens Katastrophe von 1838
»Heiden «verdankt» seine einzigartige Architektur dem Wiederaufbau im einheitlich klassizistischen Stil nach dem Dorfbrand vom 7. September 1838. Ein eindrücklicher, hier in Auszügen zitierter Bericht über Leid und Solidarität erschien im Appenzellischen Monatsblatt: «Das Feuer brach Nachmittags ungefähr um halb dreiUhr in einer kleinen Schmiede am Kohlplatze aus. Bald war nicht nur die Schmiede selbst ohne Rettung verloren, sondern der Sturmwind hatte bereits Feuerbrände nach ziemlich entfernten Häusern hingeschleudert, deren Besitzer sich dessen gar nicht versahen; in Folge der vorangegangenen trockenen Witterung loderten dann auch die Schindeldächer mit unglaublicher Schnelligkeit empor.
Von allen Seiten eilten Spritzen und helfende Scharen herbei. Die merkwürdigste Hülfe brachten unstreitig Lindau, Bregenz und Goldach. Die Lindauer eilten so schnell herbei, dass sie mit ihren Nachbaren von Bregenz, ungefähr um halb sieben Uhr mit ihren Spritzen schon in Thal eintrafen; weiter gingen die Spritzen nicht, weil zu dieser Zeit Heiden schon verloren, hingegen viel für Thal zu fürchten war. Da kam, wie von ungefähr, die Feuerspritze von Goldach. Sie sollte nach Heiden; ihre Führer hatten aber den unrechten Weg eingeschlagen, auf dem sie gerade zur Mühle gelangten, als hier das Feuer seine Verheerungen anfangen wollte. Der Widerstand gelang. Die Mühle wurde gerettet. Wie in Thal, so musste man auch in Wolfhalden mit den bangsten Besorgnissen gegen die schwer drohende Gefahr sich rüsten. Ungefähr mit dem Einbruche der Nacht legte sich der Sturmwind, und ihm folgte bald ein milder Regen. Jetzt ruhten die Flammen. Als man dann zu amtlicher Zählung der abgebrannten Gebäude schritt, fand man 129 Firste, welche die drei schrecklichen Stunden zerstört hatten.» Das Erstaunlichste dabei: Niemand kam ums Leben.
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Klassizismus Heiden
historische Zeichnung vom Dorfbrand Heiden
Klassizismus Kirchplatz
Klassizismus Heiden
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