Zentrum von Herisau
Herisau – Stadt und Hauptort?
Das Ausserrhoder Gegenstück zum Innerrhoder Hauptort Appenzell versteht sich trotz städtischem Erscheinungsbild und über 15 000 Einwohnern als Dorf.
Hervorgegangen ist der Marktflecken aus der ältesten Kirchengründung im Appenzellerland. Wirtschaftlich und politisch stand Herisau lange Zeit in Konkurrenz zu Trogen. Erst seit 1876 ist Herisau inoffizieller Hauptort. Am Platz vor der seit 907 urkundlich bezeugten Kirche laufen aus allen Himmelsrichtungen vier historische Strassenzüge zusammen.
Von Süden her führt die von Bürgerhäusern gesäumte Schmiedgasse ins Dorfzentrum. Anders als in vielen Städten, jedoch typisch für Ausserrhoden, wird der Hauptplatz nicht vom Rathaus dominiert, sondern von Kaufmannshäusern. Markante Eckpunkte bilden das Wetter-Haus und das Haus zur Rose. Die Nordseite beherrscht das von stuckierten Dreiecksgiebeln bekrönte Walser’sche Doppelhaus. Einkünfte aus dem Leinwandhandel mit Frankreich ermöglichten den Bau des Wetterhauses(1737). Im Russlandhandel erworbene Gelder wurden ins Walserhaus (1787) investiert, das um 1800 zudem ein bedeutendes Kunstdruckatelier beherbergte.
Das seit 1529 reformierte Gotteshaus wurde 1516–1520 unter Leitung des Konstanzer Münsterbaumeisters Lorenz Reder erstellt. Aus der Bauzeit erhalten blieben im Chor das spätgotische Netzgewölbe, die Masswerk-Fenster und der Wandtabernakel sowie am Langhaus die St. Anna-Kapelle. Das in einer Inschrift am Chorbogen ausgewiesene Renovationsjahr 1782 erinnert an Erneuerungen im Rokokostil unter Leitung des Vorarlberger Werkmeisters Andreas Moosbrugger. Floreale Stuckaturen durchziehen Langhaus und Chorähnlich den damals hier gefertigten Goldstickerei-Motiven auf feinen Baumwollstoffen. Im mächtigen Turm befindet sich als besonderes Schmuckstück die 1807 aus dem Bodenseekloster Salem angekaufte Grosse Glocke mit prächtigen Reliefs und über neun Tonnen Gewicht.
Obstmarkt mit urbaner Wirkung
Stellt der Platz westlich der Kirche das historische Zentrum des Fleckens dar, so steht der nahe Obstmarkt mit urbaner Wirkung für das 20. Jahrhundert.
Hier geben das Regierungsgebäude (1910–1914, Architekten Bollert & Herter, Zürich) und das UBS-Bankgebäude (1980–1985, Architekt Ernst Gisel, Zürich) den Ton an. Das Regierungsgebäude weist zwei Gesichter auf. Das äussere Erscheinungsbild ist in Anlehnung an Neubarock und Heimatstil lokalen Traditionen verpflichtet. Die dahinterliegende Tragkonstruktion entspricht indessen dem neuesten Stand der Technik.
Mit Robert Maillart (1872–1940) lieferte ein Pionier des modernen Ingenieurbaus die Pläne zum feingliedrigen Eisenbeton-Skelettbau. In Verbindung mit dem Zürcher Bildhauer Otto Münch (1885–1965) schuf Architekt Hermann Herter (1877–1945) ein symbolträchtiges Gesamtkunstwerk. Die beiden Portale mit Merkurstab und Wappenbär markieren die ehemaligen Hauptnutzungen Kantonalbank und Staatsverwaltung. Wer sucht, wird das appenzellische Wappentier dutzendfach am und im Regierungsgebäude aufspüren.
Die Lage des Kantonsratssaals über dem Regierungsratszimmer bildet die Behördenhierarchie ab. Der Parlamentssaal wird in vertikaler Abfolge durch die Ebene der Geschichtsdaten, die Galerie der Landammannporträts und die Reihe der Wappenfenster geprägt. Das Kirschholz von Wandverkleidung und Mobiliar kontrastiert zum Weiss des als Gipshimmel wirkenden Gewölbes. Das Pendant zu dieser Innenwelt bildet der äussere Bilderfries mit plakativen Darstellungen zu Volksleben und Ortsbildern.
Die vier Steinputten an den Treppenaufgängen symbolisieren die massgeblichen Wirtschaftszweige Viehzucht, Textilhandel, Industrie und Bankwesen.
Bilder / Videos
Herisau Regierungsgebäude
Herisau
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Herisau Kirche
Herisau Kirche
Herisau Kirche
Herisau Regierungsgebäude