Dorfplatz Hundwil
Als Hundwil noch Landsgemeindeort war
Neben Trogen ist Hundwil der zweite historische Landsgemeindeort von Appenzell Ausserrhoden. Die Landsgemeinden fanden stets im Wechsel zwischen Trogen und Hundwil statt. Nachdem Trogen noch im Jahr der Appenzellischen Landteilung, also bereits 1597, als Landsgemeindeort bestimmt worden war, erhielt Hundwil kurz nach 1600 diese Ehre.
Weshalb gerade Hundwil?
Anders als heute, da die Gemeinde nur mehr 1000 Einwohner zählt, gehörte die seit 1401 über ein eigenes Siegel verfügende Doppelrhode im 17. Jahrhundert zu den bevölkerungsreichsten Kirchhören Ausserrhodens. Sie stellte in den beiden Landesbehörden doppelt so viele Vertreter wie Herisau. Die Ratsscheibe in der Landsgemeindestube von 1609 zeigt die Wappen der 48 Klein- und Grossräte der oberen Rhode (Hundwil) und der unteren Rhode (spätere Gemeinde Stein). Die besondere Stellung Hundwils kommt auch im Rathaus von 1607/08 zum Ausdruck, hatten doch nur vier Rhoden eigene Gemeindehäuser. Darin tagten nicht nur «Hauptleuth und Räth», also der Gemeinderat. Im Rathaus sass bis 1876 regelmässig auch der «Kleine Rat hinter der Sitter» zu Gericht und hier kam in grössern Abständen der Grosse Rat (Kantonsrat) zusammen.
Die enge Vebindung zwischen Kirche und Staat im reformierten Ausserrhoden, wo die «Kirchhöre» als weitgehend autonome Einheitsgemeinde alle Lebensbereiche regelte, dokumentiert der Umstand, dass das Rathaus wie andernorts zugleich als Pfarrhaus diente. Auf der von Kirche und Dorfhäusern umstandenen Wiese tagte letztmals am 25. April 1997 die Landsgemeinde. Wenige Monate später, 400 Jahre nach der Landteilung, wurde die Institution durch eine Urnenabstimmung aufgehoben, womit in Ausserrhoden eine alte Tradition zu Ende ging. Nur noch die Wiese bei der Kirche, der Brunnen am Kronenplatz und die Landsgemeindestube im Gemeindehaus erinnern daran.
Kirche und Krone zwei Schmucktröckli
Der auf das 13. Jahrhundert zurückgehende Bau der Kirche mit ihrem weit aufragenden Turmhelm (1894) dominiert das kleine Dorfzentrum. Auf die Gotik verweisen nicht nur zwei Fenster und das Portalgewände, sondern auch zwei hinter der Kanzelrückwand verborgene Heiligenfiguren.
Im Innern wirkt die Gesamtrenovation von 1913 nach, einerseits mit dem mächtigen Orgelprospekt (August Hardegger) und anderseits mit der heimattümlichen Dekorationsmalerei (Rudolf Grundlehner). Bemerkenswert sind der Taufstein (1750) in Form eines achteckigen Kelchs und die mächtige, zum Archivraum führende Eisentüre. Unter der Vorhalle sind zwei Gedenktafeln angebracht, sie erinnern an Dekan Walter Klarer († 1567), der die Reformation im Appenzellerland durchsetzte, und an Diakon Jakob Künzler (1871–1949), den «Vater der Armenierkinder».
Ebenfalls eng verbunden mit Hundwil war Weberpfarrer Howard Eugster-Züst (1861–1932), der erste sozialdemokratische Regierungsrat und Nationalrat von Appenzell Ausserrhoden. Noch gibt es im Dorf einige Wirtschaften. Das älteste Haus im Zentrum ist die «Krone», die laut Firstinschrift auf 1599 zurückgeht und mit dem vollständig ausgemalten Wirtsstübchen ein besonderes «Schmucktröckli» enthält. Zahl und Monogramme über der Türe verweisen auf das Entstehungsjahr 1815 sowie den damaligen Eigentümer Landesfähnrich Johannes Knöpfel(IHK) und seine Ehefrau Anna Frischknecht (AFK). Hauptmotiv der in Rokokomanier ausgeführten Malerei ist die Geschichte von Wilhelm Tell. Wohl von Johann Ulrich Thäler aus Hundwil stammen die Szenen zu Rütlischwur, Tells Apfelschuss und Landvogt Gessler.
Als Bildträger diente eine Zwischenklappwand, wie sie häufig in ältern Wirtshäusern anzutreffen ist. Ebenso typisch für Appenzeller Stuben sind der grüne Kastenkachelofen (um 1776), der Uhrenkasten und das Buffet.
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