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Dorfplatz Speicher

Achteckige, klassizistische Querkirche
Speicher
© Lukas Unseld

Dorfplatz Speicher
Am frühen Morgen des 28. Juni 1804 schlug der Blitz in den Kirchturm ein. Im Unterschied zu 1712 und 1728 kam es zu einem Brand. «Weil es zu hoch war, dass keine Sprützen das Feüer erreichen mochte», mussten die Feuerwehren aus Speicher, Trogen und Teufen mit ansehen, wie der Turmhelm verbrannte. Die Stimmbürger beschlossen darauf einen Neubau der ohnehin zu kleinen Kirche. Nach heftigen Disputen setzte sich ein Projekt von Landschreiber Johann Heinrich Tobler (1777–1838) durch. Es entstand eine achteckige, klassizistische Querkirche nach dem Vorbild von Horgen. Zum Generalunternehmer wurde 1808 Baumeister Konrad Langenegger aus Gais bestimmt. Stuckaturen, Kanzel und Taufstein im klassizistisch-kühlen Predigtraum verfertigte der berühmte Joseph Simon Moosbrugger aus dem Bregenzerwald.

Westlich neben der Kirche befinden sich das Reformierte Pfarrhaus von 1830/1831 und das Realschulhaus von 1844 (heute Kindergarten). Das Gemeindehaus auf der anderen Seite des Dorfplatzes wurde 1808 als Wohn- und Geschäftssitz für einen Textilkaufmann erbaut. Es dient seit 1909 als Gemeindehaus. Den Baumpark liess die Gemeinde 1860 anlegen. Den Brunnen schuf 1970 der Bildhauer Max Oertle.

Der Ortsname Speicher leitet sich wohl von einem Zehntenspeicher des Kloster St. Gallen ab, der im Mittelalter auf der markanten Nagelfluhkuppe, auf der heute die Kirche steht, erbaut wurde (1309 erstmals erwähnt). Kirchgenössig waren die Leute der Gegend bis zum Bau eines eigenen Gotteshauses 1614 nach St. Gallen.

Johann Heinrich Tobler
Der Projektverfasser für den Kirchenbau hat für den Kanton Appenzell Ausserrhoden eine besondere Bedeutung als Komponist des Landsgemeindelieds. Als solcher wurde er 1938 mit einem Denkmal auf der Vögelinsegg geehrt. Dort hatte am 4. August 1825 das von Tobler organisierte, erste kantonale Sängerfest stattgefunden. Es hatte Signalwirkung für das Chorwesen in der Schweiz und in Süddeutschland. Der nur über eine dürftige Schulbildung verfügende Tobler gehörte zu den Wegbereitern für den vom Gedankengut des Liberalismus und der Aufklärung geprägten Aufbruch im frühen 19. Jahrhundert. 1820 initiierte der Modelstecher, der 1804 und 1816/17 als Landesfähnrich Regierungsverantwortung übernommen hatte, die erste Lesegesellschaft im Kanton. Diese Diskussions- und Bildungszirkel waren für die Umsetzung des neuen liberal-demokratischen, dem Allgemeinwohl verpflichteten Wertekanons und für die Entwicklung einer Öffentlichkeit zentral. In seinen letzten zehn Jahren setzte er sich unermüdlich für eine moderne Kantonsverfassung ein.

Seine Ideale brachte Tobler auch in Musik und Gesang ein, denen er ab 1794 seine Freizeit widmete. Er wollte nicht die üblichen Wirtshauslieder singen, sondern den Chorgesang zur edlen Volkskunst erheben. 1807 gab er die Sammlung «Lieder im gesellschaftlichen Kreise zu singen» im Druck heraus, der viele weitere folgten. Sie enthielten teils von ihm selbst komponierte Chorsätze, vereinzelt auch eigene Texte. Der grosse Wurf gelang ihm 1825 mit der Vertonung des Gedichts «An Gott» der deutschen Erzieherin Karoline Rudolphi. Es war von 1877 bis 1997 das Eröffnungslied jeder Ausserrhoder Landsgemeinde.

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