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Kantonsschule

Lehr- und Erziehungsanstalt für die Söhne der gebildeten Stände
Kantonsschule
© Lukas Unseld

Kantonsschule
Ein Stich aus der Zeit um 1830 zeigt ein Holzhaus, unterteilt in einen Wohnteil und eine Scheune. Davor befinden Schüler und sich eine Person mit langem Mantel und einem Kind an der Hand. Die Schüler tragen einheitliche Kleider und flache Studentenmützen, wie sie damals die liberal gesinnten Burschenschafter an deutschen Universitäten trugen. Das Gebäude steht ausserhalb des Dorfkerns im Ortsteil Nideren. Es handelt es sich um das Arbeiterwohnhaus der Spinnereifabrik im Töbeli. Im Februar 1821 erhielt es eine neue Nutzung als Schulhaus für eine «Lehr- und Erziehungsanstalt für die Söhne der gebildeten Stände». Mit 17 Schülern im Alter von 6 bis 16 Jahren wurde hier die erste höhere Lehranstalt im Appenzellerland eröffnet – im Parterre die Unterrichtszimmer, darüber die Wohnung des Schulleiters, im Dachgeschoss die Schlafräume der Schüler. 1822 erhielt sie den Status einer Kantonsschule. 1865 wurde das Haus zur reinen Schülerunterkunft und erhielt deshalb später den Namen Altes Konvikt. Heute sind darin die Schulleitung und Hauswartwohnungen untergebracht.

Stifter der Kantonsschule war der Textilunternehmer Johann Caspar Zellweger. Besuche in den Instituten von Pestalozzi in Yverdon und von Fellenberg in Hofwil hatten bei ihm 1816 nachhaltige Eindrücke hinterlassen. Er beschloss, in Trogen eine Armenschule und eine höhere Lehranstalt zu gründen. Der Fächerkatalog entsprach einer heutigen Sekundarschule. Für Universitätskandidaten bestand später auch die Möglichkeit, Latein und Griechisch zu lernen. Der Unterricht folgte einem streng geregelten Tagesplan mit sechs Stunden Unterricht von Montag bis Freitag und Exkursionen am Samstag.

1864/65 erfolgte, finanziert durch die Standortgemeinde und Private, der Bau eines modernen Schulhauses (heute Altes Schulhaus genannt). Ab 1865 beteiligte sich auch der Kanton finanziell an der Schule. Seit 1907 trägt er sie allein. Bis 1903 stellten Schüler aus anderen Schweizer Kantonen und dem Ausland die Mehrheit, darunter viele mit prominenten Eltern. Mädchen sind seit 1907 zugelassen. 1921 betrug ihr Anteil 13 Prozent, 2006 dann 53 Prozent. Die Schülerzahlen lagen 1918 erstmals über 200, 2006 bei 770. Es wurden immer wieder Neubauten notwendig, so dass der Campus zum kleinen Dörfchen anwuchs.

Für weitere Informationen: https://kanti-trogen.ch

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