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Geografischer Mittelpunkt des Kantons

Geometrisches Denkmal

Berechnet wird ein solcher Mittelpunkt, als ob man die Kantonsfläche in Form einer Scheibe auf einem Spitz ausbalanciere. So befindet sich der Mittelpunkt des Kantons Appenzell Ausserrhoden in Haslen (AI). Das begeisterte die Ausserrhoder ganz und gar nicht. Sie griffen tief in die Trickkiste, um das «arithmetische Mittel der Gemeinde-Schwerpunkte» zu ermitteln. Und dieser (nicht ausbalancierte) «Mittelpunkt» befindet sich in Teufen, in der Dietenschwendi – in der Nähe des Steineggerwalds.
Und so funktionierte die Trick-Berechnung: Die Koordinaten der einzelnen Gemeindeschwerpunkte wurden addiert und durch 21 geteilt (weil in Lutzenberg zwei Ortsteile berücksichtigt werden mussten). So fand man das «arithmetische Mittel der Gemeinde-Schwerpunkte» in Teufen.

Zum 100jährigen Jubiläum der amtlichen Vermessung wurden 2012 die geografischen Mittelpunkte für die Schweiz und für die Kantone bestimmt und markiert. Eine exakte Grundbuchvermessung ist eine zentrale Komponente für die Rechtssicherheit. Sie ist ein Gemeinschaftswerk von Bund, Kantonen, Gemeinden und Privaten. Sie erhielt 1912 mit der Einführung des neuen Schweizerischen Zivilgesetzbuchs eine rechtliche Grundlage. Als erste Ausserrhoder Gemeinden nahmen Teufen, Heiden und Rehetobel zu Beginn der 1920er-Jahre die Grundbuchvermessung vor.

Bestimmt wird ein geografischer Mittelpunkt wie folgt: Man schneidet die Kantonsfläche aus einer Landeskarte aus und sucht den Punkt, auf dem diese Fläche auf einer Nadelspitze balanciert werden kann. Das ist für Appenzell Ausserrhoden aufgrund seiner speziellen geografischen Gestalt nicht möglich. Es müsste einen Teil des Nachbarkantons Appenzell Innerrhoden dazu genommen werden. Dann fände man einen Mittelpunkt am Rande des innerrhodischen Dorfs Haslen.

Die Ausserrhoder Kantonsregierung suchte deshalb nach anderen Möglichkeiten. Eine einfache Methode zur Bestimmung eines Kantonsmittelpunkts bestünde darin, den nördlichsten mit dem südlichsten und den östlichsten mit dem westlichsten Punkt des Kantons zu verbinden. Dieser Kreuzungspunkt liegt im Dorf Wald und damit etwas sehr weit im Osten des Kantons. Es wurde deshalb tiefer in die Trickkiste gegriffen. Es wurden die Schwerpunkte jeder Gemeinde ermittelt und aus diesen das arithmetische Mittel errechnet. Die Koordinaten der Gemeindeschwerpunkte wurden addiert und durch die Anzahl der Gemeinden geteilt. Der so gefundene Mittelpunkt liegt in der Dietenschwendi in Teufen. Regierungsrat Brunnschwiler bezeichnete ihn bei der Einweihung am 12. Mai 2012 als flächenmässigen Schwerpunkt des Kantons. Er liegt ziemlich in der Mitte des Kantons und nicht allzu weit entfernt vom eigentlichen geografischen Mittelpunkt.

Markiert wurde der aufwändig ermittelte Kantonsmittelpunkt mit dem Geometer-Denkmal, das der einheimische Konzeptkünstler H. R. Fricker (1947–2023) entwarf. Es kombiniert einen Markstein mit einem überdimensionierten, 7.5 Meter hohen Jalon und ehrt so die Arbeit der Geometer. Der Jalon (Fluchtstab) dient zum Signalisieren der einzumessenden Punkte und ist ein klassisches Hilfsmittel zur Vornahme der präzisen Vermessungen. Der Markstein macht die ermittelten Resultate sichtbar.

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