Schwänberg
Am Beginn der Appenzeller Geschichte
Als urkundlich älteste Siedlung des Appenzellerlandes und Ortsbild von nationaler Bedeutung hat der Weiler Schwänberg eine besondere Ausstrahlung. «Suweinpe-rac» (Hirtenberg) heisst die Örtlichkeit in einer Urkunde des Klosters St. Gallen von zirka 821. An klimatisch günstiger, quellenreicher und topografisch geschützter Lage entwickelte sich hier eine Ackerbauernsiedlung. Bis um 1400 gehörte der Schwänberg zum direkten Einflussbereich der mächtigen Abtei St. Gallen, wovon der ins «Rutenkaminhaus» eingebundene spätmittelalterliche Wohnturm zeugt. Das Wohnhaus selbst geht im Kern auf 1491 zurück. Der mächtige, die ganze Küche überspannende Rutenkamin wurde im Zuge einer späteren Hauserweiterung erstellt. Durch den Weiler führte eine alte Landstrasse von St. Gallen zum Kloster Magdenau. Während die ehemalige Schmiede längst verschwunden ist, hält das Wirtshaus die Erinnerung daran wach. Die einfache Gaststube des «Sternen», im Volksmund als «Fladehüsli» bekannt, wird dominiert vom mächtigen 200-jährigen Brotbackofen. Im frühen 17. Jahrhundert stellte der Schwänberg gewissermassen das Herisauer «Villenviertel» dar. Landammänner, Solddiensthauptleute und Ratsherren lebten hier. Drei stattliche Wohnbauten aus der Zeit des Dreissigjährigen Krieges (1618–1648), von dem die Region dank Vieh-, Schiesspulver- und Söldnerexporten profitierte, prägen das Ortsbild. Eine der führenden Persönlichkeiten war Lisbeth Schüss. Sie stammte aus dem Schwänberg, kehrte nach dem Tod ihres Gatten, dem Glarner Landammann Heinrich Elmer, hierher zurück und liess 1621 das «Elmerhaus» mit breit ausladendem Pfettendach erbauen. Nicht aus Holz, sondern aus Tuffstein wurde das gegenüberliegende weisse Haus erstellt. Dieser von Pannerherr Johannes Schüss veranlasste Massivbau setzte neue Massstäbe. Erst Jahrzehnte später entstanden in den Dorfzentren von Herisau und Trogen weitere «Steinpaläste».
Das «Alte Rathaus» als Zeitspiegel
Ums «Alte Rathaus» ranken sich viele Geschichten, so die Sage vom Schwänberger Lichtwunder am Vorabend des Burgenbruchs (1403) oder die Überlieferung, der«Grosse Zuberbühler» aus dem Schwänberg sei der Anführer im Rorschacher Klosterbruch (1489) gewesen. Das Gebäude geht weder auf mittelalterliche Zeiten zurück noch diente es jemals als Rathaus; es wurde1627–1630 erstellt. Bauherr war wohl der im Solde des französischen Königs stehende Hans Conrad Zuberbühler. 1641 befand sich Zuberbühler, der laut Chronikbericht zugleich den Beruf eines Chirurgus ausübte, als Hauptmann einer Appenzeller Kompanie in der lothringischen Garnisonsstadt Stenay. Analog der Wohnsitze innerschweizerischer Solddienstunternehmer verfügt das Haus über breite Flure, hohe Räume und einen farbenfrohen Festsaal. Die der Strasse zugewandte Südwand mit schönem Riegelwerk, aufwendig gestalteten Klebdächern, Brusttäfer mit Zierbrettern im Renaissancestil und sternen besäter Dachuntersicht ist als Schaufassade ausgeschmückt. Dem frühen 17. Jahrhundert gehören auch Elemente des Innenausbaus an wie Bodenfliesen in Grün- und Ockertönen, Türgewände mit Intarsien und Täfer mit Grisailledekor. So hält das Rathaus die Erinnerung an Zeiten wach, da im Appenzellerland der Solddienst noch zu den wirtschaftlichen Grundpfeilern gehörte. Nach 1750 ging das Haus in bäuerlichen Besitz über. Hinfort waren Landwirtschaft und Handweberei die Haupterwerbsquellen der Bewohner, wie noch ein Bericht des Heimatschutzpioniers Salomon Schlatter vom Jahr 1910 belegt: «Ein gewaltiger Hausgang nimmt uns auf, dessen Boden mit Kugelsteinen gepflastert ist. Zur Seite führt eine Türe in einen grossen Webraum, hinten füllt eine Käserei den Rest. Die Mostpresse hat im Hausgang Platz gefunden.»
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