Wissbachschlucht
Mühlen und Kraftwerke am Wissbach
Der in Schwellbrunn entspringende Wissbach bildet in seinem Unterlauf die Grenze zwischen den Kantonen St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden. Bis ins 19. Jahrhundert betrieb sein Wasser fünf Mühlen. Zwischen 1892 und 1917 entstanden drei Kleinkraftwerke, die für zwei Mühlen und eine Sägerei Strom lieferten. Die Turbine der ehemaligen Talmühle, deren breit ausladendes Hauptgebäude erhalten ist, wurde 2006 stillgelegt. Die beiden andern sind noch in Betrieb. Am Eingang zur Wissbachschlucht trifft die Kulturspur auf Wehr, Kanal und Stauweiher des 1892 erstellten Kraftwerks der Haslenmühle bei Gossau. Während das Wasser in einem eisernen Druckrohr ins Turbinenhaus hinuntergeführt wird, überwinden Wanderer die markante Gefällstufe über eine gedeckte Treppe. Anschliessend geht die Schlucht in eine Auen- und Schwemmlandschaft über, die nordseits von mächtigen Nagelfluhwänden begrenzt wird. Nach diesem vielfältigen Amphibienbiotop folgt der 1916 aufgestaute langgezogene Stüdliweiher. Die ehedem 15 Meter hohe Staustufe des früheren Sägereikraftwerks bildet einstehendes, gegen den Wasserdruck ausgebogenes Gewölbe. Ihre Konstruktion wurde als schweizerisches Novum gefeiert.
Im Jahr 1989 erfolgte die Unterstellung der Staumauer unter die eidgenössische Talsperrenverordnung, was fast das Ende der historischen Anlage bedeutet hätte. Seit der Totalerneuerung von 2004 liefert das nun der Vereinigung zur Förderung umweltfreundlicher Energien gehörende Kleinkraftwerk Schwänberg Elektrizität ins öffentliche Stromnetz. Die Jahresproduktion beträgt rund 250 000 Kilowattstunden. Das Turbinenhaus samt Maschinen, Schaltanlagen und Kabelmast blieb als technikgeschichtlicher Zeuge erhalten. Über der Kraftzentrale erhebt sich die urtümliche Schwänbergbrücke aus dem Jahr 1782.