Wetti im Tobel
Pfauen
Am mächtigen, die Strasse überbrückenden Gebäude befindet sich noch immer das alte Gasthausschild mit dem Pfau. Es erinnert an das einstige Gewerbezentrum. Von 1720 bis 1890 wurde hier in der Wetti Getreide gemahlen, bis 1964 Holz zersägt, bis 1976 Brot gebacken und bis 2005 ein Restaurant betrieben.
Indirekt erwähnt wurde der spätere Pfauen erstmals 1720. Der Eigentümer Baschon Oertli-Schläpfer (1685–1753) begann damals mit dem Bau eines Stauweihers, was zu Einsprachen der weiter unten am Bach gelegenen Mühlenbesitzer führte. Wir dürfen annehmen, dass der Mühlenkomplex damals erstellt wurde. Oertli nutzte die Wasserkraft von Goldibach und Almenwegbach zum Antrieb einer Getreidemühle, einer Säge und einer Bläue (Hammerwerk zur Bearbeitung von Flachs). Er betrieb zudem eine Bäckerei und ein Gasthaus. Baschon Oertli war ein angesehener und vermögender Mann. Von 1732 bis 1736 versah er das Amt des Gemeindepräsidenten. Auf Weihnachten 1748 spendete er gemeinsam mit seiner Ehefrau Barbara geborene Schläpfer (1694–1762) der Teufner Kirche einen silbernen Abendmahlkelch.
Aus dem Jahr 1794 sind Angaben zum Geschäftsgang der Baschonenmühle überliefert: Samuel Tanner (1754–1830), der damalige Inhaber, vermahlte wöchentlich sieben Malter Getreide (knapp 1300 Liter). 86 Prozent des Mehls verwendete er in der eigenen Bäckerei, den Rest verkaufte er an zwei Brotgrempler in der Nachbargemeinde Speicher. Tanners Betrieb gehörte zur grossen Zahl der kleineren Mühlen im Appenzellerland. Die grösste Mühle in Teufen war die Nordmühle am Wattbach mit einem wöchentlichen Umsatz von 49 Maltern.
Eine wesentliche Aufwertung der Baschonenmühle brachte die Neuanlage der Landstrasse von Teufen nach Speicher (die Kulturspur folgt ihr vom Dorf Teufen bis zum Pfauen) in den Jahren 1807 bis 1811. Tanners Mühle lag nun an einer modernen Fahrstrasse. Dies war mit ein Grund dafür, dass sein Nachfolger grössere Investitionen tätigte. Dieser Johann Jakob Kriemler (1790–1844) liess von 1835 bis 1837 den heutigen klassizistischen Gebäudekomplex erstellen. Er erhielt zudem die Erlaubnis, den Pfau als Gasthausschild zu führen. Der brückenartige Verbindungstrakt über die Strasse zum Stadel führte zu einem kleinen Festsaal, in dem sich auch ein Musikantenstuhl befand.
Bedingt durch die Entwicklung der Müllereitechnologie, der Mehlkonservierung und des Verkehrswesens setzte ab 1870 europaweit ein Sterben der herkömmlichen Kornmühlen ein. Im Pfauen ging das Mahlen von Getreide Ende der 1880er Jahre zu Ende. Weiter geführt wurden die Betriebszweige Bäckerei, Wirtshaus, Sägerei, Mosterei und Landwirtschaft. 1921 wurde das rund fünf Meter Durchmesser aufweisende Wasserrad abgebrochen und durch eine Turbine und einen Generator ersetzt. Der so erzeugte elektrische Strom trieb einen 6 PS starken Motor an und dieser über eine Transmission das Sägegatter und eine Fräse. Die Anlage überzeugte aber nicht. Sieben Jahre später ging man zum Strombezug aus dem Netz der St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke über. Die Sägerei stand 1964 zum letzten Mal in Betrieb. Ende Oktober 1976 hörte Ernst Oertle (1902–1977) auf, das beliebte Pfauenbrot zu backen. Der Spezereiladen ging 1981 ein, das Restaurant 2005. Der Gebäudeunterhalt wurde über Jahrzehnte stark vernachlässigt. 2017 konnten die vom Zerfall bedrohten Gebäude saniert und für Wohnwecke umgebaut werden.
URL: www.tposcht.ch/news/familie-oertli-baeckerei-und-wirtschaft-zum-pfauen-1949-1967/
Schulhaus Tobel
Der Aufbau des modernen Schulwesens führte in den 1830er-Jahren auch in Teufen zum Bau von Schulhäusern. Das weitläufige Streusiedlungsgebiet im Nordosten der Gemeinde erhielt «sein» Schulhaus (Haus Nr. 1022) neben der Mühle in der Wetti. Der Inhaber dieser Mühle übernahm den Bau 1834 für eine Pauschalsumme. Mehrkosten für Verbesserungen gegenüber dem Plan, die auf sein Geheiss vorgenommen wurden, trug er teilweise selbst. Im Anschluss daran liess er auch seine Mühle mit angeschlossener Gastwirtschaft zum Pfau neu erstellen. So entstand ein eigentliches Quartierzentrum für diesen Gemeindeteil. Im Schulhaus wurden 1903 auch die Lesegesellschaft Tobel (seit 1923 Einwohnerverein Tobel), 1905 der Männerchor (2022 aufgelöst) und 1921 der Frauen- Töchterchor Tobel-Teufen gegründet.
Es handelt sich um ein für Appenzell Ausserrhoden typisches Landschulhaus: ein gestricktes Holzhaus, bescheiden im Volumen, aber sorgfältig gestaltet und mit den toskanischen Pilastern die Vornehmheit eine Fabrikantenhauses ausstrahlend. Das einzige Schulzimmer befand sich im Erdgeschoss. Es hatte ursprünglich gegen Süden vier Kreuzstockfenster, die dann durch grössere Reihenfenster ersetzt wurden. Darüber hatte die Lehrerfamilie ihre Wohnung. Bis 1898 war im Schulhaus Tobel eine Gesamtschule untergebracht. Die Schulkinder ab der 5. Klasse gingen danach ins neue Schulhaus Gählern. Im Tobel verblieben bis 1973 die erste bis vierte Klasse (mit Halbtagsunterricht), danach die erste bis dritte, ab 1983 die erste und zweite Klasse. 2004 wurde der Schulbetrieb eingestellt.