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Kaienspitz

1122 m ü. M.
Kaienspitz
© Lukas Unseld

Zwischen Alpstein und der Ostschweizer Metropole

Vom Kaienspitz aus ist das Appenzellerland von St.Gallen bis zum Alpstein in einem Blick schön einzufangen. Das regt an zu einigen Gedanken über das historische Verhältnis zwischen der ostschweizerischen Metropole und dem Appenzellerland. Nicht nur die Sitter, sondern auch viele Strassen und Wege führen vom Appenzellerland in die Stadt. Die Geschichte allerdings verlief zuerst in umgekehrter Richtung, nämlich vom 719 gegründeten Galluskloster aus. Vom 9. bis 11. Jahrhundert wurde die Abtei St.Gallen zu einem weit ausstrahlenden kulturellen Mittelpunkt. Zur kulturellen Blüte, von der die Bestände der Stiftsbibliothek St. Gallen zeugen, gesellte sich herrschaftliche und wirtschaftliche Macht mit grossem Grundbesitz auch im Appenzellerland. Dieses bildete zusammen mit St.Gallen, Wil und dem Rheintal das Kerngebiet der Abtei: «Abbacella» lautet die erste auf 1071 datierte urkundliche Nennung Appenzells, was mit des «AbtesZelle» übersetzt werden kann. Der Ort Appenzell war ein Stützpunkt des Klosters, von dort aus wurde die Landschaft besiedelt.

Enge Beziehungen zwischen der Stadt und dem Appenzellerland lassen sich seit dem 14. Jahrhundert nachweisen: Die Stadt St.Gallen versorgte sich mit appenzellischem Vieh und Milchprodukten, und der städtische Markt war Kaufs- und Verkaufsort für die Bauern. In den Appenzeller Kriegen des frühen 15. Jahrhunderts gingen Stadt und Land eine enge Verbindung gegen das Kloster ein und konnten sich gemeinsam aus dessen Herrschaft befreien. Die Beziehungen hielten vor allem im wirtschaftlichen Bereich an. Noch vor der Reformation war es St.Gallen gelungen, sich zum bedeutendsten Handelsplatz für Leinwand in der Bodenseegegend aufzuschwingen. Die Stadt schloss die Landschaft in die Produktion (Heimweberei, Stickerei) mit ein und gab Impulse für den späteren Ausserrhoder Handel.

Rhein und Bodensee: Was früher verband, trennt heute

Die Weitsicht auf dieser Seite des Appenzellerlandes reicht über den Bodensee. Rhein und Bodensee trennen heute die drei Anrainerstaaten, früher hingegen waren sie verbindend: Auf diesen Gewässern wurden bis zum Aufkommen der Eisenbahn im 19. Jahrhundert Güter und Personen befördert. Wichtigstes Importgut der Ostschweiz und vor allem des Appenzel-lerlandes war schwäbisches Getreide. Im Zuge der Verlagerung auf Heimweberei wurde die appenzellische Landwirtschaft vernachlässigt; das weite Hinterland der Ausfuhrhäfen Radolfzell, Überlingen, Friedrichshafen, Langenargen und Lindau bildete die Kornkammer der Region St.Gallen/Appenzellerland.
Hafenorte auf der Schweizer Seite waren Steinach, Uttwil, Rorschach und Rheineck. Dort, in St.Gallen oder direkt in Schwaben tätigten Appenzeller Müller Einkäufe. Nach dem Bau des Kornhauses 1746 durch den St.Galler Fürstabt wurde Rorschach zum wichtigsten Getreidehandelsplatz. Die Lastsegelschiffe hatten eine Tragfähig-keit von 120 bis 132 Tonnen. Von grosser Bedeutung war der 1869 eröffnete und 1976 eingestellte Eisenbahn-Fährbetrieb zwischen Romanshorn und Friedrichshafen.
Spuren von Siedlungen am und im See reichen bis in die Zeit 3000 v. Chr. zurück. Die bis in die römische Zeit zurückzuverfolgenden Namen des Sees sind Lacus Venetus, Acronius, Brigantinus (Bregenz), Constantinus (Konstanz). Deutsch namengebend war die Bedeutung des Orts Bodman als königliche Pfalz. Der Bodensee wird von 236 Zuflüssen gespeist, zu zwei Dritteln vom Rhein. Heute versorgt er rund 4,5 Mio. Menschen mit Trinkwasser, mit Leitungen bis in den Stuttgarter Raum. Die 1972 gegründete Bodenseekonferenz, der auch Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden angehören, knüpft mit ihrem grenzübergreifenden Wirken an die gemeinsame Geschichte der Bodenseeregion an.

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